Eurostrom in Frankfurt

Was lange Zeit nur eine futuristische Überlegung war, könnte in wenigen Jahren bis Jahrzehnten Realität werden, die europäische Stromversorgung zu großen Teilen mit Solarenergie aus der nordafrikanischen Wüste zu sichern. Planungen zu diesem Projekt gibt es schon lange, doch erst in den letzten Jahren wurde das Thema ernsthaft wieder aufgegriffen und eine Realisierung erstmals in Erwägung gezogen. Das Besondere an dem Projekt sind die enormen Ausmaße, so soll eine gigantische solarthermische Anlage mitten in der nordafrikanischen Wüste entstehen. Neben der Solarenergie werden auch gigantische Windparks und später eventuell Meerwasser-Entsalzungsanlagen für eine zusätzliche Gewinnung von Strom sorgen.

Diese Anlagen sollen über kurz oder lang einen Großteil der in Europa benötigten Energie liefern. Stromkonzerne aus ganz Europa sind in die Planungen miteinbezogen, denn egal ob der Stromanbieter Frankfurt, Berlin oder ganz Deutschland beliefert, so gut wie jeder Konzern wird künftig Strom aus der Wüste beziehen.

Baubeginn 2014

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Europäischen Union gemeinsam mit namhaften europäischen Stromkonzernen. Begonnen werden soll mit dem Bau ab dem Jahre 2014, einige Jahre später könnte die erste Stromlieferung aus der Wüste in Europa eintreffen. Das Projekt trägt den Namen „Desertec“ und ist langfristig geplant. Auch wenn die ersten Stromlieferungen aus Nordafrika schon 2020 in Europa eintreffen könnten, so ist das Projekt vorerst bis zum Jahr 2050 geplant. Die folgenden Etappenziele wurden kürzlich bekanntgegeben:

Nach dem Baubeginn 2014 sollen anfangs die Anrainerstaaten mit dem Ökostrom aus Marokko, Algerien und Tunesien versorgt werden. Ab 2020 ist geplant, mit unter dem Mittelmeer verlegten, sogenannten High-Voltage Leitungen, Europa mit Strom zu versorgen. Damit sollen ab dem Jahr 2020 rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs mit nordafrikanischem Strom gedeckt werden. Bis zum Jahr 2050 ist geplant, rund 25 Prozent des in Europa benötigten Stroms mithilfe des Desertec-Projekts abzudecken.

Vorteile

Einer der Hauptvorteile des umstrittenen Projekts ist natürlich der Umweltschutz, da die Europäische Union bis zum Jahr 2050 rund 65 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen beziehen will, könnte Desertec enorm dazu beitragen. Außerdem würden die nordafrikanischen Staaten in denen die Kraftwerke gebaut würden, natürlich wirtschaftlich enorm profitieren, was eine Aufwertung der gesamten Region zur Folge hätte.

Nachteile

Kritiker bemängeln dagegen, dass Staaten wie Algerien, Marokko und Tunesien keineswegs sichere Staaten sein und sich die dortige politische Entwicklung nicht über Jahrzehnte vorhersagen lässt. Darum sei es grob fahrlässig rund ein Drittel des europäischen Strombedarfs dort gewinnen zu wollen, da Europa dadurch von dem Wohlwollen der jeweiligen Staaten und Machthaber abhängig wäre.